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2. Herren bezwingen TFC Ludwigshafen

  • vh
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Derbywahnsinn in Speyer: Zweite Herren besiegen den TFC Ludwigshafen mit 4:1 – zwischen Genie, Größenwahn und geklauten Toren

Es gibt Derbysiege.

Und es gibt diese Sorte Derbysieg, bei denen man nach dem Abpfiff nicht genau weiß, ob man gerade ein Hockeyspiel gesehen hat oder den emotionalen Zusammenbruch einer ganzen gegnerischen Mannschaft.

Die 2. Herren aus Speyer lieferten gegen den TFC Ludwigshafen genau so einen Nachmittag ab.

4:1 hieß es am Ende.

Verdient. Emotional. Teilweise wunderschön. Teilweise komplett absurd.

Und genau deshalb perfekt.

Schon vor dem Anpfiff war klar: Dieses Spiel würde nicht über taktische Feinheiten entschieden werden, sondern über Wille, Lautstärke und die Frage, wer zuerst mental implodiert. Die Antwort darauf lieferte der TFC erstaunlich früh.

Denn hinten stand Hannes.

Der junge Torhüter entwickelte sich im Laufe des Spiels weniger zu einem klassischen Keeper als vielmehr zu einer psychologischen Naturkatastrophe für Ludwigshafen. Mit stoischer Ruhe, kleinen Gesten und einer Ausstrahlung irgendwo zwischen Zen-Meister und Serienmörder brachte er die gegnerischen Angreifer an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

Der Höhepunkt: ein Siebenmeter für Ludwigshafen.

Eigentlich die perfekte Gelegenheit für den Anschluss.

Eigentlich.

Doch während der Schütze anlief, wirkte Hannes bereits so, als wüsste er längst, dass dieser Ball niemals das Tor sehen würde. Der Gegner verschoss kläglich.

Nicht gehalten - verschossen.

Man munkelt, der Ball sei inzwischen sicher im Orbit unterwegs.

Defensiv stand Speyer robust. Vor allem Bene zeigte eine Leistung, die man nur schwer in Worte fassen kann. Leidenschaft, Zweikampfführung, Einsatzwille – all das war herausragend. Zeitweise spielte er, als hätte man einen Presslufthammer mit Hockeyschuhen ausgestattet.

Vor dem Tor allerdings offenbarte sich eine Tragödie antiken Ausmaßes.

Drei Großchancen.

Drei.

Und keine davon fand den Weg ins Tor.

Augenzeugen berichten von entsetzten Blicken, verzweifelten Mitspielern und mindestens einem Zuschauer, der kurzzeitig an höheren Mächten zweifelte. Es bleibt eines der großen Rätsel des Sports, wie diese Bälle nicht im Netz landen konnten. Wissenschaftler dürften sich noch Jahre damit beschäftigen.

Doch Bene wäre nicht Bene, wenn ihn das aus dem Spiel genommen hätte. Stattdessen zerstörte er weiter Gegner, Räume und vermutlich auch das Selbstvertrauen einzelner Ludwigshafener.

Überhaupt war es kein Spiel für Feingeister, sondern eines für Charakterköpfe.

Julian Weiler zum Beispiel. Lange nicht mehr aktiv dabei gewesen, laut Eigenaussage angeblich erst nach 60 Minuten wieder spielfähig – und trotzdem schon deutlich früher mit starkem Einfluss auf das Spiel. Laufwege, Präsenz, Körpersprache: Weiler wirkte wie ein Veteran, der vergessen hatte, dass er eigentlich eingerostet sein wollte.

Nach dem Spiel allerdings zeigte sich, wie sehr dieses Derby an ihm gearbeitet hatte. Während andere bereits jubelten, wirkte Weiler emotional schwer gezeichnet. Vielleicht war es die pure Erleichterung. Vielleicht die Wucht des Spiels. Vielleicht auch einfach der Gedanke, dass man für so einen Derbysieg körperlich mehrere Jahre altert.

Offensiv zeigte Speyer phasenweise echtes Traumhockey. Schnelle Kombinationen, starke Angriffe, hohes Tempo. Dann wiederum gab es Momente, in denen man sich fragte, ob die Mannschaft bewusst beschlossen hatte, den Schwierigkeitsgrad künstlich zu erhöhen.

Besonders sichtbar wurde das bei den kurzen Ecken.

Die ersten drei Varianten verpufften ungefähr so gefährlich wie ein Kindergeburtstag im Regen. Abstimmung, Timing, Präzision – alles eher optional vorhanden. Erst bei der vierten Ecke geschah das Unvermeidliche: Die erfahrensten Spieler übernahmen Verantwortung.

Und plötzlich funktionierte es.

Routine. Ruhe. Qualität. Tor.

Manchmal braucht es eben keine Innovationen. Manchmal braucht es einfach alte Männer mit schlechter Laune und Derbyerfahrung.

Für den vielleicht dreistesten Moment des Tages sorgte allerdings Flo Schwerer.

Beim letzten Treffer der Partie zeigte Julian Weiler bereits deutliche Anzeichen eines verdienten Tores. Doch noch bevor endgültig klar war, wem der Treffer gehören würde, kam Flo herangerauscht und reklamierte das Ding mit einer Dreistigkeit, die man sonst nur von Stürmern im Abseits kennt.

Ob der Ball tatsächlich noch entscheidend berührt wurde oder Flo einfach beschlossen hatte, dass Tore zu wichtig sind, um sie anderen zu überlassen, wird wohl nie abschließend geklärt werden können.

Der Spielbericht führt ihn jedenfalls als Torschützen.

Geschichte wird bekanntlich von den Siegern geschrieben.

Am Ende stand ein hochverdientes 4:1.

Ein Derbyerfolg voller Emotionen, Härte, Leidenschaft und gelegentlichem Wahnsinn. Besonders wichtig: Trotz aller Intensität verletzte sich niemand ernsthaft – was bei diesem Spielverlauf beinahe an ein Wunder grenzt.

Und so blickt Speyer nun positiv nach vorne.

Denn bereits am 30.05. wartet das nächste Kapitel - auswärts in Grünstadt.

Nach diesem Derby dürfte dort inzwischen bekannt sein: Die 2. Herren aus Speyer kommen selten elegant.

Aber sie kommen immer mit Wucht.


 
 
 

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